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Gesundheit   Frühkastration
05.04.2007 von sabine136

Frühkastration



von Vorteil oder Risiko ?

Urteilen Sie selber:

Kurze Erklärung der möglichen OP:

Sterilisation: Entfernung der Keimdrüsen - bitte nur bei Kätzinnen anwenden, die noch nicht geworfen haben. Sonst erhöht sich das Risiko einer Gebärmutterentzündung bzw. auch von Tumoren.

Kastration: Bei Katern: Entfernung der Hoden.
Bei Katzen: Total-OP.
Nur ein Gebärmutterstumpf im Becken bleibt (da nicht heran zu kommen). IMMER, wenn eine Katze schon geworfen hat.

Seit Jahr und Tag gibt es tagtäglich die gleichen Meldungen: Die Tierheime sind ebenso wie die privaten Pflegestellen überfüllt, Katzenelend auf dem Lande, Katzenelend in der Stadt.

Die Ansicht (aus dem Reich der Märchen und Sagen), dass Katzen vor der Kastration 1. einmal rollig sein und 2. (schlimmer!) einmal werfen sollten, scheint sich auch hier bei uns hartnäckig zu halten. Handelt es sich um einen Kater, wird oft empfohlen, das erste Lebensjahr verstreichen zu lassen. Als Grund wir hier eine "bessere" Entwicklung vorgeschoben. Dem ist aber nicht so.

Die sicherste Art, Nachwuchs zu vermeiden ist kastrieren, bevor "Schätzchen" in der Lage ist, sich zu vervielfältigen! Und das hat sogar Vorteile. Kastrierte Kätzinnen sind gegen Gebärmutterkrebs und Gebärmutterinfektionen weit gehend geschützt. Bei Katern reduziert die Kastration das Risiko von Hodenkrebs und einer Prostata-vergrößerung sowie den damit verbundenen Infektionen. Vom Standpunkt des Haustierbesitzers ist ein sterilisiertes oder kastriertes Tier ein viel besserer Wohnungs-/Hausgenosse. Mit der Kastration verschwindet auch ein Großteil der Aggresivität, die Reviere werden kleiner (d.h. Katerchen streunt nicht mehr so weit herum und ist deswegen weniger Gefahren ausgesetzt) und auch die Raufereien nehmen ab. Ein Kastrat wird sehr viel weniger als Rivale angesehen und deshalb in längst nicht so viele Revierkämpfe verwickelt. Das wiederum zieht nach sich, dass Kastraten sich deutlich weniger oft mit tödlichen Infektionenskrankheiten anstecken.


Züchter stehen oft vor dem Problem, ein Jungtier als "Liebhabertier" und nicht als Zucht- und Ausstellungstier abgeben zu wollen.
Kastrationsverträge oder auch Zuchtsperrvermerke sind leider kein 100%iger Schutz. So mancher "Liebhaber" mutiert ob der (vermeindlichen) Ansicht von schnellem Geld zum Vermehrer.

Dr. W. Preston Stubbs von der Universität in Florida überprüfte die Möglichkeit von Frühkastrationen bei Katzen und stellte seine Ergebnisse beim Feline Medicine Symposium der Davis-Universität in Kalifornien vor, die hier zusammengefasst werden:

Im Jahr 1993 wurden 96 Kätzchen im Alter zwischen 6-14 Wochen kastriert, die alle die Operationen ohne größere Komplikationen überstanden. Im gleichen Jahr erschien ein Bericht über Kastrationen von 350 Tieren, durchgeführt vor Eintritt deren Geschlechtsreife. Auch hier waren in keinem Fall Schwierigkeiten oder gar Todesfälle zu verzeichnen, die Zahl der Wundinfektionen war sogar geringer als nach "normalen" Kastrationen. Nachdem die Operationstechniken entwickelt waren, wurden diese Tiere jedoch nicht über einen längeren Zeitraum beobachtet, in dem es vielleicht zu Spätfolgen gekommen wäre.

Eine solche Untersuchung an insgesamt 62 Tieren wurde dann erst von Dr. W. Preston Stubbs durchgeführt.

Frühkastrationen stellen an den Tierarzt als Anästhesisten und Chirurgen etwas höhere Anforderungen als Regelkastrationen. Leber, Lunge und Herz-Kreislaufsystem sind bei Jungtieren noch nicht vollständig entwickelt, sie reagieren daher auf Narkosemittel anders als erwachsene Tiere. Es muss gewährleistet sein, dass der Sauerstoffgehalt des Blutes relativ hoch ist, das Kätzchen nicht zuviel Blut verliert und warmgehalten wird. Außerdem dürfen keine Narkotika verwendet werden, die den Herzschlag verlangsamen oder den Blutdruck senken. Die sonst vor Operationen übliche Fastenzeit über mehrere Stunden birgt das Risiko einer Unterzuckerung in sich, dem durch Gaben von Glukose vorgebeugt werden kann. Die Kastration eines jungen weiblichen Kätzchens ist vergleichbar mit der einer erwachsenen Katze, durch das Fehlen von Fettgewebe technisch wahrscheinlich sogar noch leichter. Einen erst wenige Wochen jungen Kater zu kastrieren, bei dem die (noch zylindrischen) Hoden nur tastbar aber kaum sichtbar sind, ist jedoch etwas schwieriger.

Trotz der zumindest theoretisch vorhandenen Risiken überwiegen jedoch die Vorteile bei Frühkastrationen:

- Eine Vermehrung wird mit Sicherheit verhindert. - Die Operation selbst und somit auch die Narkosezeit ist kürzer.
- Dadurch, dass kaum Fett vorhanden ist, können die Keimdrüsen weiblicher Tiere schneller und besser gesichtet werden

- Die Jungtiere erholen sich rascher von der Operation.

Um die eventuellen Spätfolgen in einer Langzeitbeobachtung an der Universität erkennen zu können, wurden die 62 Tiere (31 Katzen und 31 Hunde) in je drei Gruppen aufgeteilt.
Die Untersuchungsergebnisse im einzelnen:

Knochenwachstum

Keimdrüsenhormone haben auch einen Einfluss auf die Entwicklung des Skelettes. Sowohl Testosteron als auch Östrogen fördern die Knochenreife, ihr Fehlen lässt ein verspätetes Schließen der Wachstumsfugen vermuten, was wiederum zu einem verstärkten Längenwachstum der Knochen führen würde. Genaue Messungen von Elle und Speiche der "Versuchstiere" haben dies auch in der Gruppe I der Hunde bestätigt, nicht jedoch bei den Katzen.

Körpergewicht

Die Steuerung des Körpergewichtes erfolgt durch das Zusammenspiel von Hormonen, die einmal direkt auf das Sättigungs- und Bewegungszentrum im Gehirn einwirken und zum anderen indirekt auf den Zellstoffwechsel. Hier zeigten sich bei den untersuchten Gruppen auch signifikante Unterschiede. Mit Hilfe von Röntgenbildern wurde außerdem die Dicke der Fettschicht an einer bestimmten, immer gleichen Stelle gemessen. Bei Auswertung der Ergebnisse konnte festgestellt werden, dass männliche Tiere schwerer sind als weibliche und Kastraten schwerer als unkastrierte Tiere, jedoch gab es keinen Unterschied zwischen den "frühen" und den "normalen" Kastraten.

Harninkontinenz

Sowohl bei weiblichen als auch bei männlichen Tieren wurde mit Hilfen von Sonden, die Drucksensoren trugen, der Innendruck von Blase und Harnröhre gemessen, dann graphisch dargestellt und miteinander verglichen, es zeigten sich keine Unterschiede bei kastrierten und unkastrierten Tieren. Bei den Katern wurde zusätzlich der Durchmesser der Harnröhre bestimmt, auch hier hatte die frühe Kastration keine negativen Auswirkungen, eher im Gegenteil, die Kater, die schon mit 7 Wochen kastriert worden waren, hatten mit f 1,9 mm den größten Harnröhrendurchmesser, verglichen mit den unkastrierten Katern waren das ca. 0,2 mm mehr, und immerhin wies die Harnröhre der Regelkastraten noch einen Durchmesser von ca. 1,8 mm auf. (Ein weiterer Hinweis darauf, dass die Ausprägung des FUS nicht durch eine Kastration gefördert wird.)

Ausprägung der sekundären Geschlechtsmerkmale

Es wurde festgestellt, dass sich bei den weiblichen Frühkastraten die äußeren Geschlechtsorgane nicht vollständig entwickelten, jedoch blieb dies ohne gesundheitliche Auswirkungen, Entzündungen der Scheide oder der Schamlippen wurden nicht beobachtet. Bei den Katern waren die sog. Penis spinae (kleine Dornen auf der Eichel) stark unterentwickelt, Vorhautverwachsungen, wie sie in einer Untersuchung aus dem Jahr 1971 gefunden wurden, konnten nicht bestätigt werden. Jedoch ist zu bedenken, dass diese Aussage sich nur auf drei untersuchte Kater stützt und so nicht verallgemeinert werden kann. Festzuhalten ist aber, dass sich bei allen Tieren der Studie auf diesem Gebiet keine negativen Auswirkungen zeigten.

Verhaltensänderungen

Ein außenstehender Beobachter, ansonsten nicht eingebunden in die Untersuchung, protokollierte das Verhalten der Tiere in kleinen Gruppen und bewertete die Parameter Aktivität, Verspieltheit, Lautäußerungen, Reizbarkeit, Aggression untereinander und Anhänglichkeit in einer Skala von 0 bis 4. Die Ergebnisse waren in allen Gruppen ähnlich. Auffällig war jedoch, dass die unkastrierten Katzen (und Kater) sich aggressiver zueinander und weniger anhänglich gegenüber dem Beobachter verhielten. Es gab wiederum keine Unterschiede zwischen den "frühen" und den "normalen" Kastraten.

Veränderungen des Immunsystems

In der Katzenkolonie brach zweimal Katzenschnupfen aus, es waren aber keine Unterschiede in der Immunantwort der Tiere feststellbar, alle erkrankten, bei allen kam es zu bakteriellen Sekundärinfektionen, alle sprachen gut auf eine Standardtherapie an. Genaue Titerbestimmungen wurden jedoch nicht durchgeführt. Ähnliche Untersuchungen bei Mäusen oder bei Hühnern hatten zum Ergebnis, dass die Immunantworten bei Kastraten verstärkt waren, bei Mäusen sogar um so mehr, je früher sie kastriert wurden. Es ist anzunehmen, dass Kastrationen auch bei Katzen Auswirkungen auf das Immunsystem haben, jedoch ist ebenso wahrscheinlich, dass diese klinisch nicht signifikant sind.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass es Unterschiede im Körpergewicht, Körperfett und Verhalten zwischen den kastrierten und unkastrierten Tieren dieser Langzeitstudie gegeben hat. Für keines der untersuchten Parameter ergaben sich jedoch Unterschiede zwischen den Früh- und den Regelkastraten. Aus den Ergebnissen ist daher weiterhin zu schließen, dass eine Frühkastration ohne negative Auswirkungen für das Tier ist, auch wenn die körperlichen Veränderungen durch Ausschüttung von Geschlechtshormonen mit Beginn der Pubertät nie einsetzen. Lediglich junge Kater, deren Hoden sich noch nicht im Hodensack sondern im Leisten- oder Bauchraum befinden, können nicht im Alter von wenigen Wochen kastriert werden, auch ungeimpfte Tiere sollten dem Stress einer Operation unter normalen Bedingungen nicht vorbehaltlos ausgesetzt werden.

In Zusammenarbeit mit einem Tierarzt, der sich gewissenhaft über Narkoserisiko und Operationstechnik informiert hat, ist die Frühkastration für den Züchter, der seine Jungtiere aus bestimmten Gründen nicht für die Weiterzucht zulassen möchte, jedoch eine sehr gute, weiterreichende Alternative zu Zuchtsperrvermerk und Kastrationsvertrag.

www.shawnees.de/infothek







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